DIE PRESSE über ILSE LAU
"Mag sein, dass der Bandname niedlich anmutet. Nicht abschrecken lassen, das hier ist ein energiegeladenes und erwachsenes Rockding aus der ersten Liga, jedoch nichts für Leute mit Vorliebe für Songs im geordneten Strophe/Refrain/Strophe-Aufbau. (...) Jetzt liegt es an den Hörern, "Tosh Togs" als ein Album zu entdecken, das auch nach mehrmaligem Hören nicht an Spannung verliert. Kein Song entwickelt sich vorhersehbar, jeder schlüssig. Vorbilder, besser: Referenzen mag es einige in der Landschaft zwischen Noise, Core und Postrock geben, doch haben Ilse Lau im Laufe ihrer knapp zehnjährigen Geschichte eine Eigenständigkeit entwickelt, mit der sie neben den grossen Namen durchaus bestehen können".
Visions, Frühjahr 2006
"Sehr clever. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Etwas gewagte Dissonanzen. Passen aber dann doch. Baut sich alles über viele Takte auf. Viel Devo und Shellac, Gang of Four. Wahrscheinlich ist das schon über viele Ilse Lau-Platten geschrieben worden, denn man sagt, diese Band habe sich seit ewiger Zeit musikalischen Kehrtwenden verweigert, vielmehr ständig an der Perfektionierung ihres Tuns gefeilt.
An mir ist das bisher leider vorbeigegangen. Schlagzeuger Henning Bosse verleiht den instrumentalen Irrwegen und zappeligen Songs mit teils geschliffenen, teils waghalsigen Gesangspassagen eine eindeutig hörbare neue Dimension. Das ist meistens plausibel, manchmal verstörend, immer jedoch aufregend. Der Gesang als zusätzliches Instrument und englische Texte machen aus Ilse Lau eine Art zufälliger Canterbury-Reminiszenz. Ein wenig Hatfield And The North und gar einige wenige Verweise auf die grossen This Heat treten aus dem Windschatten kunstvoll gewebter Rhythmuspatterns hervor. Immer wieder entgleiten Stücke in hypnotische Schleifen, lehnt sich die Musik fast »krautig« aus dem Fenster. Dann reisst der nächste Song weitere musikalische Äcker auf.
Wo waren diese Typen eigentlich noch nicht?
Eine Maxime scheint es zu geben: Rhythmus. Treibend, atemlos, vertrackt und doch flüssig. Wer bei »Investigation into« die Füsse still halten kann, lebt wahrscheinlich nicht mehr. Ins Intro des nachfolgenden Stücks spricht jemand den irreführenden Satz: »This is what you want and this is what you get: Basics« - und das Gezappel geht weiter. Dennoch, bei allem Tempo fällt es mir nicht schwer, mich an den Atmosphären und Harmonien aufzuwärmen wie an einem Kohleofen".
Spex Februar 2006
"Diese Bremer Band demonstriert uns die Unbrauchbarkeit starrer Zuordnungen. Vor Jahr und Tag verschreckten Ilse Lau ihre Zuhörer mit ultrakomplexem Noise-Core, um die Ereignisdichte Platte für Platte herunterzufahren. Heute schimmert die Oberfläche ihrer Musik fast ein wenig glamourös: Mehrstimmige Gesänge und Bläsersätze sorgen für entspannte Gesichter, doch im Untergrund brodelt es mächtig und dissonant weiter.
Ilse Lau sind eine Band, wie es keine zweite gibt, und jeder Versuch einer Beschreibung muss an ihnen abprallen, wie ein Flummi an der Garagenwand".
Sunday Service, FSK Hamburg, November 2005
"Der schon enthärtete Rockkalk ist noch mehr aufgeweicht und der flexible
Instrumentalsingsang schwelgt in dieser lässig dahinsurfenden
Leichtigkeit, die mit «poppig« nicht ganz richtig, aber
auch nicht ganz falsch beschrieben werden kann. Das Bremer Trio ist damit
auf Geisterfahrerkurs zum Massenstau aus Retro-Punk- &
Neo-No-New-York-Härte inklusive Von Spars Pop Group-"Pop".
(...) Solange es Rock wie den Ilse Lau«schen gibt, sollte sich der
nationale Rocknotstand, der mir persönlich keine schlaflosen Nächte
bereitet, ohne Weiteres verschmerzen lassen. "
Rigobert Dittmann, Bad Alchemy 45, 2004
"Jetzt machen wir'ne Tanzplatte..." - so sagten sich die drei von Ilse Lau
dem Vernehmen nach beim Gang ins Studio. Tanzen jetzt aber nicht so wie ihr
denkt. Keine Disco, kein Rock'n Roll, kein Rave. Sondern statt grandioser
Rockdekonstruktion und nicht minder toller Neuzusammensetzung, bislang auf
drei exzellenten Alben mit eigener Handschrift vorexerziert, nunmehr das:
gerade Takte, vergleichsweise knappe, entschlackte Kompositionen, erstmals
zusätzlich akzentuiert durch gelegentliche Geangseinlagen. So gründlich wie
diesmal hat sich diese Band bislang noch nicht neu erfunden.
Ilse nimmt euch auf Album Nummer 4 ganz freundlich bei der Hand, trägt auch
in dieser Saison jenen zarten Dub-Hauch-von-einem-Schleier, der ihr schon
im letzten Sommer so gut stand,
ist immer noch von ganzem Herzen den entlegeneren Regionen
fortschrittlicher Rockmusik zugetan - Captain Beefheart, Pere Ubu, Blind
Idiot God oder U.S. Maple zum Beispiel -, hat aber das Wissen darum derart
durchdrungen, dass sie leichter Hand daraus etwas ganz eigenes machen kann,
das im Grunde ihre bisherigen Alben zusammenfasst und zugleich noch in eine
verbindliche Form überführt, die keinerlei elitäres Exklusivitätsgehabe
nötig hat. Kompakter, zupackender als zuvor klingt das Trio auf "De Tinnen
Mannen", spielt funky, lässt Gäste strahlende Bläsersätze setzen, und
manchmal klingt gar eine Art Drum'n'Bass-Beat an. Wahrscheinlich ihre beste
Platte, mit Sicherheit aber ihre reifste bis zum heutigen Tag.
Andreas Schnell für die TAZ, Oktober 2004
"Natürlich besitzt "Tjeempie. de Kat" noch immer kompositorische Substanz
für etwa 100 normalsterbliche Platten, und noch immer geht es auch um
schnelle Finger, jedoch nicht als Selbstzweck, sondern zur Erzeugung von
Dichte und Konzentration. Unter dem Strich bleibt eine kristallklare
Schönheit zweiter Ordnung, als Belohnung dafür, da§ man sich jahrelang
durch den wüstesten Krach gekämpft hat. (...) Wenn man das «Postrock«
nennen dürfte, wäre es der spannendste seit langem!"
Spex, Januar 2003
"Eine der heissesten Bands des deutschen Untergrunds."
Bremer, 2001